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Paratransit

Warum die Kombination von Transport-on-Demand und Paratransit eine gute Idee ist

Image rues d'Albi

In Albi wird eine proaktive Politik zugunsten von Menschen mit eingeschränkter Mobilität verfolgt. Die Gemeinde veröffentlicht nicht nur ihre Lokalzeitung in Blindenschrift, sondern setzt sich auch aktiv für den Transport von Menschen mit Handicap ein. Seit 2021 nutzen die 84.000 Einwohner von Grand Albigeois einen On-Demand-Service, der mit dem Paratransit-Service kombiniert ist. Padam Mobility unterstützt die Gemeinde bei der Umsetzung dieser kombinierten, bedarfsgesteuerten Mobilitätslösung.

Transport On-Demand? Paratransit? Wo liegen die Unterschiede?

Anstatt festen Routen und Fahrplänen zu folgen, orientiert sich Transport On-Demand an den Reservierungen der Nutzer. Algorithmen berechnen die Fahrten in Echtzeit, um sie zu optimieren und so viele Buchungen wie möglich zu bündeln. Paratransit ist ein On-Demand-Service, der sich auf die besonderen Bedürfnisse von Nutzern mit eingeschränkter Mobilität konzentriert. Diese Dienste werden oft in einer Tür-zu-Tür-Konfiguration betrieben und sind in der Lage, Hilfsmittel wie Rollstühle mitzunehmen oder auch Begleitpersonen in den Buchungsprozess und die Fahrtenverwaltung einzubeziehen.

Warum ist es eine gute Idee, diese beiden Dienste miteinander zu kombinieren?

Der wirtschaftliche und ökologische Wert des öffentlichen Verkehrs liegt in der gemeinschaftlichen Auslastung der Fahrzeuge. Ökonomisch, denn je voller die Fahrzeuge sind, desto weniger Kosten entstehen für die Gemeinschaft. Ökologisch, weil durch die gemeinsame Nutzung die Zahl der gefahrenen Kilometer – insbesondere bei Leerfahrten – sinkt und weniger CO2 ausgestoßen wird.

Während sich die meisten lokalen Behörden für eine Trennung von Transport On-Demand und Paratransit entscheiden, hat die französische Region Grand Albigeois die Vorteile einer Zusammenlegung der beiden Dienste erkannt. Durch ihre Verbindung werden Ressourcen optimal eingesetzt. Das Paratransit-Fahrzeug reduziert die Anzahl der Leerfahrten, weil auch Nicht-Paratransit-Nutzer Fahrten mit diesem Fahzeug buchen können.

Die Zusammenführung der beiden Angebote ist ebenfalls ein wichtiges Signal, um die “Unsichtbarkeit” von Behinderungen zu bekämpfen. Effizienzsteigerung des Service und ein besseres soziales Miteinander durch technologische Optimierung: der Dienst Grand Albigeois ist eine echte Erfolgsgeschichte.

Wie funktionieren diese beiden Dienste miteinander?

Um ein reibungsloses Zusammenspiel zu gewährleisten, werden die beiden Transporttypen gleichzeitig konfiguriert. Personen mit eingeschränkter Mobilität werden ihre Fahrten von Tür zu Tür buchen können, während andere Nutzer ihre Fahrten von Haltestelle zu Haltestelle buchen können. Dies garantiert einen maßgeschneiderten Service für jeden Fahrgast, ohne dass die Effizienz des Dienstes beeinträchtigt wird. Die Algorithmen sind so konzipiert, dass sie die verschiedenen Arten von Buchungen optimieren und gleichzeitig die spezifischen Abhol- und Absetzzeiten für Paratransit-Nutzer berücksichtigen. Um eine hohe Servicequalität zu gewährleisten, kann die lokale Behörde zusätzlich individuell entscheiden, ob die Dienste kontinuierlich oder nur in bestimmten Zeitfenstern zusammengefasst werden sollen.

In der Region Grand Albigeois sprechen die Ergebnisse für sich: In weniger als 6 Monaten hat der Libé’A-Dienst 7.200 Fahrten verzeichnet, von denen 49 % Paratransit-Fahrten sind. Die Zukunftsaussichten sind ebenfalls sehr vielversprechend, denn in dem selben Zeitraum sind die Fahrgastzahlen um 36 % gestiegen. Auch viele andere Kommunen und Gemeinden verfolgen das Beispiel in Albi mit großem Interesse.

Zusammenlegung von Transport On-Demand und Paratransit: Was bedeutet das aus technischer Sicht?

Die Produktteams von Padam Mobility befassen sich laufend mit der Frage, wie man den regulären öffentlichen Verkehr und den Paratransit zusammenführen kann. Die Anregung dazu kam von vielen lokalen Behörden in Gebieten mit mehreren Verkehrsbetrieben. Anstatt zwei On-Demand-Dienste zu betreiben, die Buchungen getrennt voneinander verwalten, war der Wunsch, einen fusionierten Mobilitätsdienst zu entwickeln, der zwar immer noch an den Paratransit angepasst ist und spezifische Bedürfnisse erfüllt, aber besser optimiert und kosteneffizienter ist, da er die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen gleichzeitig erfüllt.”

Samuel Bousquet, Produktmanager und Javier Guimera, Mobilitätsberater bei Padam Mobility.

Das Erfolgsrezept der Zusammenführung von Transport On-Demand und Paratransit ist vielschichtig:

Die Algorithmen.

Es gibt zwei Arten von Algorithmen:

Online-Algorithmen: Diese werden verwendet, wenn ein Kunde auf der Buchungswebsite oder in der mobilen App nach einer Fahrt sucht. Sie zeigen die Buchungsmöglichkeiten in weniger als einer Sekunde an und stellen sicher, dass die Anfragen der Nutzer und die Einschränkungen des Dienstesbeachtet werden. Dieser Algorithmus optimiert die Suchergebnisse der Nutzer und zeigt nur die relevantesten Informationen an.

Offline-Algorithmen: Diese Algorithmen werden außerhalb der Betriebszeiten eingesetzt; sie zielen darauf ab, die Fahrzeiten zu verkürzen, indem sie die getätigten Reservierungen zusammenfassen, um den Service zu optimieren. Dieser Ansatz wird verwendet, um zum Beispiel die Reihenfolge der Fahrten oder die Verteilung der Fahrzeuge anzupassen.

Auch bei einem kombinierten On-Demand- und Paratransit-Dienst, werden diese beiden Arten von Algorithmen die besonderen Bedürfnisse der Nutzer berücksichtigen. So werden beispielsweise die Aufenthaltszeiten, die bei der Abholung von Paratransit-Nutzern länger sein kann oder bestimmte Ausrüstungen bei den Berechnungen der Algorithmen berücksichtigt”.

Matthieu Lormeau, Operational Research and Data Science Engineer bei Padam Mobility.

Die Abholung.

Um eine perfekte Verschmelzung von On-Demand und Paratransit zu ermöglichen, werden die beiden Dienste so konfiguriert, dass sie sich auf die gleichen Abholzonen beziehen. Die Abholzonen sind gleichzeitig sowohl (feste oder virtuelle) Haltestellen für On-Demand-Services, als auch Polygone (Serviceperimeter, in denen Paratransit-Fahrten von Tür zu Tür zugelassen sind).

Die Zuteilung der Dienste zu den geeignetsten Fahrzeugen anhand der Buchungen.

Das Konzept der Bündelung und Zusammenlegung von Fahrzeugen wirkt sich besonders stark auf die Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge und die wirtschaftliche Rationalität des Dienstes aus. In der Tat basiert die wirtschaftliche Effizienz eines On-Demand-Transports hauptsächlich auf der besseren Zuteilung von Fahrzeugen – oder sogar deren Reduzierung – sowie auf dem Ziel, den Anteil der Nutzerzusammenlegung (Fahrtenpooling) zu erhöhen.

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Der Hüpper kommt – Padam Mobility und Hacon sind an neuem On-Demand-Projekt in Hürth beteiligt

Hürth Hüpper

Ende Oktober ging mit dem “Hüpper” ein neuer On-Demand-Service in Hürth, im Rhein-Erft-Kreis, an den Start. Der Service soll insbesondere die Gebiete in der Kleinstadt, mit knapp 60.000 Einwohnern und Einwohnerinnen, bedienen, die bisher nicht gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden waren und damit eine optimale Ergänzung zum bestehenden ÖPNV bieten. Konkret werden die Stadtteile Knapsack, Stotzheim und Sielsdorf angefahren und sind von nun an mit wichtigen Verkehrsknotenpunkten der Umgebung, wie etwa dem ZOB in Hürth Mitte, verbunden. Der operative Betrieb vom Hüpper wird von den Stadtwerken Hürth und dem Regionalverkehr Köln realisiert.

Stolz präsentierten die Projektbeteiligten am Launch-Tag die drei neuen „Hüpper-Mobile“, Hybrid-Fahrzeuge, die im Stil der bekannten Londoner Cabs daherkommen und echte Blickfänge sind. Über eine ausziehbare Rampe können Menschen mit Gehhilfen oder in Rollstühlen problemlos in die geräumigen Fahrzeuge gelangen. Drinnen ist Platz für bis zu sechs Fahrgäste. Besonders praktisch: über USB-Anschlüsse lässt sich das Smartphone während der Fahrt entspannt laden, sodass es gleich wieder fit für die nächste Buchung ist.

 Gute Mobilität ist Standortfaktor und Lebensqualität – in Stadt und Land. Deshalb fördert das Land innovative vernetzte Mobilitätslösungen wie den ‚Hüpper‘. Der neue On-Demand-Bus macht Mobilität besser, sicherer und sauberer. ‚Hüpper‘ ist ein tolles Projekt für einen erfolgreichen, dynamischen und zukunftsorientierten ÖPNV in Hürth.“

Dr. Dirk Günnewig, Leiter der Abteilung für Grundsatzangelegenheiten der Mobilität, Digitalisierung und Vernetzung

Padam Mobility und Hacon liefern die Software für dieses neue On-Demand-Projekt. Fahrgäste dürfen sich besonders über die Flexibilität des neuen Dienstes freuen. Nutzern wird versprochen, einen Weg von höchstens 200 Meter bis zur nächsten Haltestelle zurücklegen zu müssen. Feste Haltestelle und Fahrpläne fallen weg, dafür orientiert sich die Route des Fahrzeugs ganz nach der Nachfrage der Nutzer, nach Bedarf können zudem virtuelle Haltestellen angefahren werden. Dazu kommen die ausgedehnten Servicezeiten: Nutzer können den Dienst rund um die Uhr, an allen Tagen der Woche in Anspruch nehmen.

Buchen können die Nutzer per App, Telefon oder Website. Sogar Buchungen in Echtzeit sind möglich. Hier sieht das System derzeit eine maximale Wartezeit von 30 Minuten vor, ehe der Nutzer vom Hüpper abgeholt wird.

Der Hüpper ist ein wichtiger Baustein für die Mobilität in unserer Stadt. Wir haben ein breit aufgestelltes Stadtbusangebot, das nun bedarfsorientiert ergänzt wird.“

Dirk Breuer, Bürgermeister der Stadt Hürth

Der Hüpper wird im Rahmen der ÖPNV-Ausbauoffensive des Ministeriums für Verkehr NRW gefördert. Unter dem Titel „Mobil.NRW“ unterstüzt das Land NRW vielversprechende Verkehrsprojekte, die das Potenzial haben, die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln anzukurbeln.

Hier geht es zur Website des Hüppers!

 

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Möglichkeiten und Grenzen von Paratransit-Diensten: eine vergleichende Studie zwischen Frankreich und Deutschland

Etude TPMR

Seit Gründung von Padam Mobility im Jahr 2014 ist es unser Anspruch, Mobilitätsangebote für alle zugänglich zu machen, insbesondere für Menschen, die oftmals keine breitgefächerte Auswahl zur Verfügung haben oder auf fremde Hilfe angewiesen sind, um mobil sein zu können.

Wir versuchen, Softwarekomponenten und Funktionen so zu entwickeln und zu designen, dass sie Menschen mit eingeschränkter Mobilität bestmöglich auf ihren alltäglichen Fahrten unterstützen. Beispielsweise indem automatisch spezielle Hilfsmittel, wie ein Rollstuhl, bei der Fahrtenbuchung angegeben werden können oder indem Buchungen von Tür-zu-Tür möglich gemacht werden.

In diesem Sommer wollten wir mehr über die Möglichkeiten, die Nutzung und die Grenzen von Paratransit-Services herausfinden. Also haben verschiedene Menschen nach ihrer Meinung gefragt. Herausgekommen sind interessante, eindrückliche Antworten von insgesamt 48 verschiedenen Personen (34 Französischer Markt (F), 14 Deutscher Markt (D)). Die meisten dieser Personen (97,1 % F; 84,6 % D) sind dabei selbst von eingeschränkter Mobilität betroffen, andere (2,9 % F; 7,7 % D) haben in einem beruflichen Kontext mit diesem Thema zu tun oder sind mit einer mobilitätseingeschränkten Person verwandt (7,7 % D).

Die Umfrage

Die Umfrage wurde zwischen Mai und Juli in Frankreich und zwischen Juni und August in Deutschland online durchgeführt. Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden auf eine ähnliche Weise rekrutiert: Wir kontaktierten Behindertenverbände, dedizierte Facebook-Gruppen und Online-Plattformen und sprachen Betroffene aus unserem privaten Umkreis an. Die Fragebogen wurden anonym ausgefüllt.

Die Befragten

Die meisten Teilnehmer*innen, sowohl in Frankreich, als auch in Deutschland, waren zwischen 25 und 49 Jahre alt (47,1 % F; 50 % D). Auffällig ist, dass darunter besonders in Frankreich viele Menschen keiner Arbeit nachgingen bzw. Hausmann/Hausfrau waren (38,2 %). In Deutschland befand sich unter allen Befragten die Hälfte (50 %) in einer festen Anstellung, immerhin aber auch 35,7 % bereits in Rente. Gerade Menschen, die nicht (mehr) fest in ein Berufsleben eingebunden sind, haben es häufig schwer, Anschluss zu halten, wenn sie ohnehin kein intaktes soziales Umfeld haben. Menschen mit Behinderung sind besonders auf Hilfe angewiesen, passende Mobilitätslösung sind in diesem Zusammenhang ein wichtiger Baustein, der ihnen die Hürde nimmt, am Leben aktiver teilhaben zu können.

Allerdings ist es mit der bloßen Verfügbarkeit von öffentlichem Transport oftmals nicht getan. Die meisten der Befragten haben physische Behinderungen (85,3 % F; 76, 9 % D). Die Fahrt in öffentlichen Transportmitteln ist daher nicht immer einfach. Fehlende Einstiegshilfen oder eine nicht-barrierefreie Infrastruktur können Fahrten, die für ‚nicht eingeschränkte Menschen‘ kein Problem sind, zur Qual machen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass unter allen Befragten die Schlagworte „stressig“, „zeitaufwendig“ und „kompliziert“ am häufigsten genannt wurden, wenn es darum geht, das eigene Empfinden über Reisen im öffentlichen Nahverkehr zu beschreiben.

Interessant ist auch die räumliche Verteilung der Befragten. In Frankreich gaben 41,2 % aller Befragten an, in einer Stadt mit 100.000+ Einwohnern zu wohnen (weitere 23,5 % wohnten nur etwa 20 Kilometer von einer Stadt dieser Größe entfernt). In Deutschland zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, hier gaben 45,5 % an in einer Stadt mit 100.000+ zu leben, wobei gleichzeitig 36,4 % 50 oder mehr Kilometer von einer Stadt dieser Größenordnung entfernt leben. Für die Auswertung ist dies eine sehr interessante Situation. Zwar kann nicht zugeordnet werden, von welchem Teilnehmer oder Teilnehmerin welche Antwort kam, dennoch kann anhand der weiteren Aussagen abgeleitet werden, ob bestimmte Zustände deutlich polarisieren, also in großen Städten und im ländlichen Raum anders sind, oder ob sich beide Gebiete ähnlich zueinander verhalten.

Nutzung von Technik

Als Anbieter von Software und insbesondere auch Hersteller von Anwender-Software, war es uns natürlich sehr wichtig zu erfahren, wie firm die Befragten im Umgang mit dem Smartphone sind. Fahrten mit unseren Diensten lassen sich über drei unterschiedliche Kanäle buchen: Buchungs-Website, Nutzer-App und über ein Callcenter. Diese Buchungskanäle barrierefrei zu gestalten und stetig zu verbessern, ist eines unserer Hauptanliegen. Da wir später im Fragebogen noch einmal darauf zurückkommen, welche technischen Hilfsmittel von unseren Teilnehmer*innen als sinnvoll erachtet werden bzw. welche Features sie noch vermissen, ist es hilfreich, dass unter den Befragten fast jeder mit der Nutzung eines Smartphones vertraut ist (97,1 % F; 92,9 % D).

Das Mobilitätsverhalten

Wenig überraschend sind die Gründe, warum die Befragten meistens im Alltag unterwegs sind. Die häufigsten Antworten waren diesbezüglich in Frankreich administrative Termine, Arztbesuche, etc. (76,5 % F) und allgemeine Einkäufe (79,4 % F), in Deutschland gaben die meisten Befragten an, Freunde und Familienmitglieder zu besuchen (84,6 %) oder Freizeitaktivitäten (76,9 %) nachzugehen. Interessant ist, dass Mobilität von den Teilnehmer*innen besonders mit alltäglicher Freizeitgestaltung verbunden ist, weniger mit z. B. Pendeln oder Tourismus. Dies ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass sich öffentlicher Verkehr, besonders in ländlichen Regionen, nicht zu stark auf den Schul- und Arbeitsverkehr konzentrieren sollte, auch während Off-Peak-Zeiten sollten Menschen die Möglichkeit bekommen, flexibel von A nach B zu kommen.

Begleitung von Paratransit-Nutzern

Es ist wichtig, dass Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen insbesondere auf Reisen auf Hilfe angewiesen sind, sicher sein können, dass diese Hilfe auch gewährleistet wird. Wir sind der festen Überzeugung, dass auch technische Lösungen dazu beitragen können, Prozesse zu vereinfachen, zum Beispiel eine Begleitpersonen anzugeben, um diese problemlos kostenfrei mitnehmen zu können. Von den Teilnehmer*innen unseres Fragebogens wollten wir daher wissen, wie ihre Gewohnheiten in Bezug auf ‚Begleitetes Fahren‘ sind. Werden sie begleitet? Wenn ja, wie häufig? Und gibt es Punkte, die hier verbessert werden können?

Bei den Antworten fiel auf, dass professionelle Hilfe, etwa von Pflege- oder Betreuungspersonal, kaum in Anspruch genommen wird und sowohl in Frankreich (70 %), als auch in Deutschland (48,9 %) die meisten hilfsbedürftigen Personen von ihnen vertrauten Personen, Familienangehörigen oder Freunden, begleitet werden.

Die Wahl des Verkehrsmittels

Dass in unserer Fallstudie die meisten Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht von professionellen Hilfskräften begleitet werden, hängt natürlich auch mit der Wahl des Transportmittels zusammen.

Spezielle Paratransit-Dienste, werden in beiden Ländern eher selten genutzt. Unter allen Befragten gaben nur 5 % der Franzosen an, Paratransit-Dienste in Anspruch zu nehmen, in Deutschland waren es 21,43 %. Diese Zahlen lassen aufhorchen, da die Anzahl derer, die spezielles Equipment auf ihren Fahrten benötigen, wie etwa einen Rollstuhl, eher hoch ist (55,9 % F; 57,14 % D).

Viele der Befragten greifen am liebsten auf ihr eigenes Auto, speziell an ihre Behinderung angepasst oder nicht, zurück.

In Bezug auf den allgemein verfügbaren, öffentlichen Verkehr gaben einzelne Personen an, dass der „ÖPNV und die Bahn als Rollstuhlfahrer nicht akzeptabel“ sein. Barrierefreiheit spielte auch für andere Personen, die die freien Textfelder nutzen, um persönliche Meinungen abzugeben, eine große Rolle.

Ein anderer wichtiger Punkt ist das Thema ‚Unabhängigkeit‘ und ‚Angebot‘. Ein sehr lückenhaftes Angebot, keine Planungssicherheit, etc. macht es den Befragten schwer, auf ihr individuelles Auto zu verzichten:

“Das Auto ist individuell nutzbar“

“Sie sind spontaner als mit dem ÖPNV“

“[Das Auto] ist am schnellsten und flexibelsten

“Weil wir mit dem Auto unabhängiger sind (früher sind wir mehr Bahn gefahren)“

Andere sprachen sich im Gegenzug für den ÖPNV aus und erklärten, warum sie keinen speziellen Paratransit-Dienst in Anspruch nehmen folgendermaßen:

“Öffentliche Verkehrsmittel sind bequemer als ein angepasstes Verkehrsmittel, das man je nach Ort einen Tag oder länger im Voraus buchen muss”.

“Man muss eine Reise im Voraus planen

“Eingeschränkte Fahrpläne, hohe Kosten

“Sie verlangen, dass man die Dienste mindestens 48 Stunden im Voraus bucht“

Spontanität, Flexibilität und einfachere Bedienung sind Attribute, die eher dem privaten Auto zugeschrieben werden und auffällig häufig genannt worden. Wenn erreicht wird, dass Verkehrsdienste für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ähnlich einfach bedienbar sind und gewährleistet wird, dass das benötigte Equipment problemlos mitgenommen werden kann oder sich generell die Verfügbarkeit verbessert, ist dies ein wichtiger Schritt, um Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein ähnlich komfortables Erlebnis mit einem On-Demand-Transport bieten zu können, wie es Menschen, die sich frei bewegen können, erleben können.

Erwartungen an einen Paratransit-Service

Zwar nutzen die meisten Teilnehmer*innen der Umfrage keine Paratransit-Dienste, trotzdem gibt es eine Menge Erwartungshaltungen, wie ein verbesserter Service aussehen kann. Hier die wichtigsten Forderungen auf einen Blick:

  • Die Möglichkeit haben, den Service in Echtzeit zu buchen
  • Eine besser ausgestattete Fahrzeugflotte
  • Ein besseres Service-Angebot (häufigere Fahrten, größeres Servicegebiet, etc
  • Bessere Verbindung mit anderen bestehenden Transportdiensten, auch nicht-Behindertentransportdienste
  • Verbesserte Buchungsoberflächen und Fahrgastinformationen

Erwartungen an digitale Tools

Wie zu Beginn bereits angedeutet, ist ein zentrales Anliegen von uns, auch die technischen Hilfsmittel, die Paratransit-Nutzern zur Verfügung haben oder noch vermissen, genau zu untersuchen. Im Fragebogen haben wir daher gefragt, welche Erwartungen Paratransit Nutzer an digitale Funktionen haben.

Nachfolgend sind die meist genannten Antworten gelistet:

  • Informationen über die Fahrt im Voraus und in Echtzeit
  • Möglichkeit, direkten Kontakt mit dem Fahrer/der Fahrerin aufzunehmen
  • Informationen über die Zugänglichkeit von öffentlichen Orten in der Nähe der Route
  • Die Möglichkeit, den Dienst zu bewerten, zu kommentieren und die Kommentare anderer Nutzer zu lesen

Zusammenfassung

Mobilität ist ein Grundbedürfnis aller Menschen, dass in einer funktionierenden Gesellschaft jedem und jeder möglichst passgenau zur Verfügung gestellt werden sollte. Menschen mit eingeschränkter Mobilität erleben jedoch häufig Schwierigkeiten. Von nicht-barrierefreien Fahrzeugen zu nicht-angepassten digitalen Tools, Stolpersteine lauern an vielen Stellen und können das Nutzungserlebnis erheblich einschränken. Das kann so weit gehen, dass Menschen mit eingeschränkter Mobilität ganz aufhören, sich auf Fahrdienste zu verlassen und nach Möglichkeit lieber auf ein individuelles Fahrzeug zurückgreifen.

Besonders häufig wird beklagt, dass Paratransit-Dienste oft lange im Voraus gebucht werden müssen, was spontane Fahrten unmöglich macht. Was die Technologie betrifft, so fehlt es noch immer an Echtzeitinformationen. Nichts ist unangenehmer, als deutlich länger als angegeben auf das Fahrzeug warten zu müssen.

Natürlich ist es aufgrund der Heterogenität unserer Befragten, insbesondere in Bezug auf ihren Wohnort, nicht möglich, spezifische Tipps für bestimmte Gebiete zu geben. Die geäußerte Unzufriedenheit der Teilnehmer zeigt jedoch, dass es ein deutliches Verbesserungspotenzial gibt.

Wir bei Padam Mobility bieten für solche Zwecke Beratungen und Simulationen an, die es erleichtern, über verschiedenste Ressourceneinsätze zu entscheiden. Auf diese Weise und durch die enge Zusammenarbeit mit betroffenen Personen, können wir es nach und nach erreichen, Mobilitätsdienste und technische Funktionen bereitzustellen, die für Menschen mit eingeschränkter Mobilität einen echten Unterschied machen.

 

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