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Interview

Mobilität im ländlichen Raum: Wie gelingt es, DRT-Services wirtschaftlich tragfähig zu machen?

Rural Mobility Webinar

Mobilität im ländlichen Raum: Wie man ein DRT-Angebot aufbaut, um die wirtschaftliche Nachhaltigkeit über die Fördermittel hinaus zu gewährleisten – über dieses Thema diskutierten Mobilitätsexpert:innen in einem von Padam Mobility organisierten und von Beate Kubitz moderierten Webinar. Lesen Sie hier die wichtigsten Take-Aways! 

Während in städtischen Gebieten der öffentliche Nahverkehr weitestgehend gut ausgebaut ist, sind ländliche Regionen in der Regel kaum oder gar nicht an ein öffentlichen Netz angebunden. Demand-Responsive Transport, also ein Transport der sich an die Bedürfnisse der einzelnen Bewohner anpasst, kann hier Abhilfe schaffen. Fahrzeuge fahren nur die Strecken, die von den Nutzern gebucht werden und vermeiden so unnötige Kilometer und CO2-Emmissionen. 

In der Theorie eine gute Idee, in der Realität häufig noch nicht durchgesetzt. Doch woran liegt es, dass DRT-Services noch nicht flächendeckend eingesetzt werden? 

Über die Machbarkeit und konkrete Einführung von Transport-on-Demand-Diensten diskutierten die 5 Mobilitäts-Experten Beate Kubitz, Matthew Clark (Steer), Matt Dacey (VIX Technology), David Shakory (ehemals MOIA, jetzt what3works), und David Carnero (Padam Mobility) in dem von Padam Mobility organisierten Webinar „Ländliche Mobilität: Wie man ein DRT-Angebot aufbaut, um die wirtschaftliche Nachhaltigkeit über die Fördermittel hinaus zu gewährleisten“

Warum sind DRT-Angebote in ländlichen Gebieten immer noch unterentwickelt?  

Die Experten sind sich einig, DRT ist eine wichtige Errungenschaft und hat großes Potenzial, die Mobilität der ländlichen Bevölkerung und damit ihre Lebensqualität entscheidend zu verbessern. 

Doch damit DRT für alle verfügbar gemacht werden kann, gilt es, mit Vorurteilen aufzuräumen und identifizierte Probleme aus dem Weg zu schaffen. Ein wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang die Flexibilität vom Vekehrsbetreiber und Softwareprovider. Jedes Gebiet ist unterschiedlich und muss einzeln analysiert werden, um zu erkennen, wie der DRT-Service beschaffen sein sollte, um für Nutzer einen Mehrwert zu bieten. „Zuerst muss man genau verstehen, was die eigentlichen Bedürfnisse der Bevölkerung sind und wie diese Bedürfnisse befriedigt werden können“, sagt dazu Matthew Clark und fügt hinzu: „Es ist wichtig zu erkennen, dass mit ‚ländlich‘ nicht ein und derselbe Ort gemeint ist (…)“.  Dieser Aspekt zieht sich durch die gesamte Diskussion: Bedürfnisse verstehen und das DRT-Angebot flexibel daran anpassen. 

Wie kann ein Demand-Responsive Transport-Service wirtschaftlich tragfähig gemacht werden? 

Wie aber gelingt es, einen Transport-on-Demand-Service auch wirtschaftlich tragbar zu machen? Bisher, so die allgemeine Auffassung, sind öffentliche Pooling-Dienste nicht profitabel. Allerdings sollte dies nicht der Hauptanreiz sein, um der Bevölkerung einen ländlichen DRT zur Verfügung zu stellen. David Carnero sagt, der Dienst müsse einen bestimmten Punkt erreichen, “an dem er aus betrieblicher Sicht effizient ist“.  Weiter meint er: “Es ist ein Plattformspiel, also muss die Plattform aufgebaut werden, die Nutzung muss aufgebaut werden (…).” Um überhaupt von Profitabilität sprechen zu können, muss der Dienst den Nutzern einen echten Mehrwert bieten, von ihnen angenommen werden und sich langfristig etablieren. Dieser Prozess geht nicht von heute auf morgen.

Entscheidend ist außerdem, dass DRT-Services effizient eingesetzt werden, um nicht etwa nur ein weiteres Mobilitätsprodukt zum bestehenden Verkehr hinzuzufügen, sondern den Verkehr tatsächlich entlasten, etwa indem sich Nutzer entscheiden, einen DRT-Service zum nächstliegenden Verkehrsknotenpunkt zu nutzen, anstatt auf das eigene Auto zurückzugreifen. 

Die hohe Nutzerfreundlichkeit, die DRT-Services bieten, kann ein Motor dafür sein, Nutzer generell dazu zu bewegen, mehr öffentliche Mobilitätsangebote in Anspruch zu nehmen. Dies könnte ein wichtiger Schritt in Richtung Maas (Mobility as a Service) sein und die Art, wie wir Mobilität wahrnehmen und nutzen revolutionieren – besonders auf dem Land.

 

Klicken Sie hier, um sich das Webinar in voller Länge anzuschauen. 

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Missverständnis #2: “DRT ist eine finanzielle Belastung.” 

Einige Akteure im Bereich Mobilität zögern, einen dynamischen DRT-Service einzurichten, da sie die “exorbitanten” Kosten fürchten. Aber das ist zu kurzfristig gedacht.

Vorab Bedürfnisse erkennen

Vor der Einführung eines DRT-Services ist es ratsam, eine umfangreiche Studie durchzuführen, da jedes Gebiet seine eigene Mobilitätslogik hat.
Dazu eignen sich am besten Workshops mit gewählten Vertretern, Nutzern und lokalen Interessenvertretern, um den Bedarf, die Erwartungen und ein “angemessenes” Angebot zu ermitteln (Preisgestaltung, Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge, Anzahl der angebotenen Fahrten usw.).
Anschließend ist es empfehlenswert, das System und seine Ausgestaltung durch einen verlängerbaren Auftrag zu testen und dabei so viele Daten wie möglich über die Organisation und den Betrieb des Services zu sammeln.

Die Vorteile des “versement mobilité” (Frankreich) nutzen

Die Herausforderung besteht darin, die Ausgaben zu kontrollieren, indem die Routen optimiert werden. Die lokalen Behörden können einen Teil davon kompensieren, indem sie einen Teil des “versement mobilité des entreprises” (Geschäftliche Mobilitätszahlung) einbehalten. Seit Einführung des neuen französischen Mobilitätsgesetz (LOM) im Dezember 2019, ist es das ersehnte Finanzinstrument für den DRT. Investitionen in digitale Tools verbessern die Dienstleistungen des DRT erheblich, erleichtern die Suchanfragen und beschleunigen Buchungen.

Das “versement mobilité” ist sogar in der Lage, die gesamten Betriebskosten decken. Die Stadtgemeinde Pays de Saint-Omer, die 490.000 Euro pro Jahr für ihren ländlichen DRT-Betrieb aufwendet, wird laut Marc Thomas, ihrem Vizepräsidenten für Verkehr, “vollständig durch das versement mobilité finanziert” (La Gazette des communes, 2020).

Vergleichen, was vergleichbar ist

Ein intelligentes und dynamisches DRT-System ersetzt oder optimiert oft “klassische” DRT-Services. Die Bedeutung der DRT-Konfiguration in Bezug auf ihre Kosten wird oft unterschätzt. Schlecht optimiert, schlecht gepoolt, schlecht beworben, kann sich der Service tatsächlich als überteuert erweisen. Die Gewinne, die sich aus einer besseren Konfiguration mit den richtigen Instrumenten ergeben, sind enorm. In Orleans konnten durch den Einsatz von Padam Mobility-Lösungen die Betriebskosten des Résa’Tao-Dienstes um rund 30 % gesenkt werden. 

Gedacht als intermodaler Dienst oder als Zubringerdienst zu bestehenden Linien, erhöht der dynamische DRT die Kapazität der modernisierten DRTs bei gleichzeitiger Ausweitung des Angebots, besonders in dünn besiedelten Gebieten. Da das gesamte Netz davon profitiert, sollten seine Kosten ganzheitlich, im Bezug auf das Gesamtnetzt, analysiert werden.

Die Transportbranche ist nach wie vor hoch subventioniert!

Wie der übrige öffentliche Verkehr ist auch der DRT stark subventioniert. Der Nutzer zahlt nur etwa ein Drittel der Kosten für den Transportbetrieb. Dieser öffentliche On-Demand-Service  ist daher nicht darauf ausgelegt, profitabel zu sein. Die Gebiete, die er abdeckt, sind weniger dicht besiedelt, schwieriger zu bedienen und erst recht nicht profitabel. Es handelt sich also um eine echte politische und soziale Entscheidung, die auf isolierte Bevölkerungsgruppen ohne Transportmittel ausgerichtet ist.

 

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